Das Wichtigste in Kürze
- Jugendliche entscheiden über Kanäle, die sie selbst nutzen: Instagram, TikTok und Gespräche mit Gleichaltrigen.
- Ihre aktuellen Azubis sind die glaubwürdigsten Botschafter für Ihren Betrieb.
- Eltern beeinflussen die Berufswahl stark und sollten gezielt mit angesprochen werden.
- Praktika sind oft der direkteste Weg zum Ausbildungsvertrag.
- Bewerbung per Smartphone in wenigen Minuten und schnelle Rückmeldung sind Pflicht, nicht Kür.
Junge Menschen suchen anders als frühere Jahrgänge
Wer heute eine Ausbildung sucht, kommt meist direkt von der Schule und ist mit dem Smartphone aufgewachsen. Informationen über Berufe holen sich viele nicht aus Broschüren, sondern aus kurzen Videos, aus Gesprächen mit Freunden und von den eigenen Eltern.
Für Betriebe heißt das: Sie müssen dort sichtbar sein, wo Jugendliche ohnehin unterwegs sind, und sie müssen verständlich zeigen, wie der Alltag in der Ausbildung aussieht. Fachbegriffe, lange Texte und formelle Bewerbungsverfahren schrecken eher ab.
Gleichzeitig entscheiden Jugendliche selten allein. Eltern, Lehrkräfte und Freunde reden mit. Eine gute Azubi-Suche spricht deshalb mehrere Gruppen an, nicht nur die Bewerber selbst.
Denken Sie außerdem über die klassischen Schulabgänger hinaus. Auch Abiturienten, Studienabbrecher, junge Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren, oder Menschen, die erst seit einigen Jahren in Deutschland leben, kommen für eine Ausbildung infrage. Jede dieser Gruppen braucht eine etwas andere Ansprache, etwa Hinweise auf eine verkürzte Ausbildung oder auf Unterstützung beim Deutschlernen.
Instagram und TikTok: Zeigen Sie den echten Ausbildungsalltag
Auf Instagram und TikTok funktionieren kurze, ehrliche Einblicke besser als Hochglanzwerbung. Ein Azubi, der zeigt, wie er zum ersten Mal eine Anlage in Betrieb nimmt, wirkt glaubwürdiger als ein Imagefilm mit Musik und Drohnenaufnahmen.
Sie brauchen dafür keine Filmproduktion. Ein aktuelles Smartphone, etwas Planung und die Bereitschaft, regelmäßig kleine Beiträge zu veröffentlichen, reichen für den Anfang. Wichtig ist, dass jemand im Betrieb dafür Zeit bekommt und die Beiträge freigibt.
Ergänzend können Sie bezahlte Anzeigen schalten, um Jugendliche in Ihrer Region gezielt zu erreichen. Halten Sie die Botschaft einfach: Welcher Beruf, wo, was lernt man, wie bewirbt man sich. Achten Sie darauf, dass alle Personen, die in Beiträgen zu sehen sind, eingewilligt haben, bei Minderjährigen auch die Eltern.
Ein Hinweis zur Messbarkeit: Reichweite und Likes sagen wenig darüber, ob sich daraus Praktika und Bewerbungen ergeben. Fragen Sie deshalb jede Bewerberin und jeden Bewerber, wie sie auf Ihren Betrieb aufmerksam geworden sind, und halten Sie die Antworten fest.
- Kurze Videos aus der Werkstatt, von der Baustelle oder aus dem Büro
- Azubis beantworten typische Fragen: Wie läuft die Berufsschule, was verdient man, wie ist das Team?
- Ein fester Rhythmus, zum Beispiel ein Beitrag pro Woche, statt seltener Großprojekte
- Klarer Hinweis auf Praktikum und Bewerbung in jedem Profil
Ihre Azubis sind die besten Botschafter
Jugendliche glauben Gleichaltrigen mehr als Geschäftsführern und Personalabteilungen. Wenn Ihre Auszubildenden in ihrem Freundeskreis, an ihrer alten Schule oder in sozialen Netzwerken von ihrer Ausbildung erzählen, ist das wirksamer als jede Anzeige.
In Baden-Württemberg gibt es dafür seit 2011 die Initiative Ausbildungsbotschafter. Auszubildende besuchen dabei Schulen und berichten von ihrem Berufsalltag, koordiniert wird das regional unter anderem über Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern. Fragen Sie bei Ihrer Kammer nach, ob Ihre Azubis mitmachen können. In anderen Bundesländern gibt es teils ähnliche Angebote.
Auch ohne Programm können Sie Ihre Azubis einbinden: als Ansprechpartner auf Messen, als Gesicht auf der Karriereseite oder mit einer kleinen Prämie, wenn sie jemanden aus ihrem Umfeld für eine Ausbildung bei Ihnen gewinnen.
Gewinnen Sie die Eltern als Verbündete
Eltern sind für viele Jugendliche die wichtigsten Berater bei der Berufswahl. Sie haben oft eigene Bilder im Kopf, zum Beispiel dass ein Studium sicherer sei als eine Ausbildung oder dass ein Handwerksberuf körperlich zu anstrengend ist.
Geben Sie Eltern deshalb die Informationen, die sie interessieren: Ausbildungsvergütung, Übernahmechancen, Weiterbildungsmöglichkeiten bis zum Meister oder Techniker, Arbeitszeiten und Ansprechpartner im Betrieb. Eine eigene Rubrik auf der Karriereseite oder ein Infoabend im Betrieb kann hier viel bewirken.
Eltern sind außerdem eher auf Facebook und in der regionalen Presse erreichbar als ihre Kinder. Ein Bericht über Ihre Ausbildung im Lokalteil oder ein Beitrag in einer regionalen Facebook-Gruppe erreicht genau diese Zielgruppe.
Schulen, Messen und Praktika: Der persönliche Kontakt zählt
Kooperationen mit Schulen in Ihrer Umgebung sind ein bewährter Weg. Bieten Sie Betriebsbesichtigungen für Klassen an, beteiligen Sie sich an Berufsorientierungstagen oder stellen Sie Ihren Beruf im Unterricht vor. Viele Schulen sind für solche Angebote dankbar.
Ausbildungsmessen lohnen sich vor allem dann, wenn Sie dort nicht nur Flyer verteilen. Ein kleines Werkstück zum Anfassen, eine Aufgabe zum Ausprobieren und Azubis als Gesprächspartner sorgen für echte Gespräche. Notieren Sie Kontakte und melden Sie sich innerhalb weniger Tage.
Praktika sind oft der direkteste Weg zum Ausbildungsvertrag. Im Praktikum lernen beide Seiten sich kennen, und Jugendliche können ausprobieren, ob ihnen der Beruf liegt. Machen Sie es leicht, ein Praktikum anzufragen, auch kurzfristig in den Ferien, und planen Sie für Praktikanten eine feste Betreuungsperson und echte Aufgaben ein.
Karriereseite und Bewerbung: Alles muss auf dem Smartphone funktionieren
Fast jede Recherche beginnt heute auf dem Handy. Ihre Karriereseite sollte deshalb auf dem Smartphone schnell laden und gut lesbar sein. Jeder Ausbildungsberuf braucht eine eigene Seite mit verständlicher Beschreibung, Ausbildungsdauer, Vergütung, Berufsschulort und einem Foto oder Video aus dem Alltag.
Der wichtigste Punkt ist die Bewerbung selbst. Verzichten Sie für den ersten Schritt auf Anschreiben und vollständige Unterlagen. Ein kurzes Formular mit Namen, Kontaktdaten, Schulabschluss und einem Feld für Fragen genügt. Zeugnisse lassen sich später nachreichen oder per Foto hochladen.
Nennen Sie außerdem eine feste Ansprechperson mit Foto, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Für viele Jugendliche ist es eine große Hürde, bei einem Betrieb anzurufen. Ein freundliches Gesicht und der Hinweis, dass Fragen ausdrücklich willkommen sind, senkt diese Hürde.
Schreiben Sie die Texte in einer Sprache, die Jugendliche verstehen. Statt „Wir erwarten Teamfähigkeit und Belastbarkeit“ hilft eine ehrliche Beschreibung: Was machen Sie in der ersten Woche, was im zweiten Lehrjahr, wann beginnt der Arbeitstag? Je konkreter die Seite, desto besser können Jugendliche einschätzen, ob der Beruf zu ihnen passt.
WhatsApp als Kontaktweg: praktisch, aber mit Regeln
Viele Jugendliche schreiben lieber eine Nachricht, als zu telefonieren oder eine E-Mail zu verfassen. Einige Betriebe bieten deshalb an, Fragen zur Ausbildung per WhatsApp zu stellen oder sich darüber für ein Praktikum zu melden.
Das kann die Hemmschwelle deutlich senken, braucht aber klare Regeln. Nutzen Sie dafür eine geschäftliche Nummer und nicht das private Handy eines Mitarbeiters, legen Sie fest, wer antwortet, und klären Sie die datenschutzrechtliche Seite mit Ihrem Datenschutzbeauftragten. Bewerbungsunterlagen sollten anschließend in Ihr reguläres System übertragen und dort verwaltet werden.
Kostenlose Kanäle: Agentur für Arbeit, IHK und Handwerkskammer
Neben eigenen Maßnahmen sollten Sie die etablierten Kanäle nutzen, die für Betriebe in der Regel kostenlos sind. Die Bundesagentur für Arbeit nimmt Ausbildungsstellen online entgegen, eine Registrierung ist dafür nicht zwingend nötig. Ihre Stelle erscheint dann in der Jobsuche der Agentur, und der Arbeitgeber-Service kann passende Bewerber vorschlagen.
Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern betreiben eigene Lehrstellenbörsen und beraten Ausbildungsbetriebe. In Baden-Württemberg gibt es etwa eine gemeinsame IHK-Lehrstellenbörse, in der neben Ausbildungsplätzen auch Praktika eingetragen werden können. Die Ausbildungsberater Ihrer Kammer helfen zudem bei Fragen zur Eignung, zu Verträgen und zur Zusammenarbeit mit Schulen.
Tragen Sie Ihre Stellen frühzeitig ein, am besten rund ein Jahr vor dem Ausbildungsstart. So sind Sie bereits sichtbar, wenn sich Schülerinnen und Schüler im vorletzten oder letzten Schuljahr orientieren.
Schnell reagieren und dranbleiben
Jugendliche bewerben sich oft bei mehreren Betrieben gleichzeitig. Wer sich zuerst meldet und einen klaren nächsten Schritt anbietet, hat einen Vorteil. Bestätigen Sie den Eingang einer Bewerbung sofort und melden Sie sich innerhalb weniger Tage persönlich.
Auch nach der Zusage ist die Arbeit nicht vorbei. Zwischen Vertrag und Ausbildungsstart liegen oft viele Monate. Eine Einladung zum Sommerfest, ein kurzer Anruf oder ein Kennenlerntag mit den anderen Azubis helfen, dass der neue Azubi am ersten Tag auch wirklich kommt.
Sagen Sie auch denen zügig und freundlich ab, die nicht passen. Jugendliche sprechen untereinander über ihre Erfahrungen mit Betrieben. Ein respektvoller Umgang mit jeder Bewerbung zahlt sich deshalb auch in den kommenden Jahrgängen aus.